China nimmt seit mehreren Jahren den größten Teil der iranischen Rohölexporte ab. Nun gerät diese für Teheran zentrale Handelsbeziehung durch den verschärften wirtschaftlichen Druck der USA unter Druck. Washington droht ausländischen Akteuren mit Sanktionen, wenn sie Iran beim Verkauf von Öl oder beim Zugang zu internationalen Finanzkanälen helfen. Welche chinesischen Unternehmen oder Banken konkret betroffen sein könnten, ist bislang offen.
Am 24. August verhängten die USA Sanktionen gegen knapp 60 mit Iran verbundene Einrichtungen und Unternehmen. Nach Angaben des US-Finanzministeriums stehen sie unter anderem im Zusammenhang mit mutmaßlichen Aktivitäten in Irans Atom-, Raketen-, Cyber- und Ölsektor. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte laut Associated Press: „Niemand steht außerhalb der Reichweite von US-Sanktionen.“
Die Maßnahme ist von der weitergehenden Drohung zu unterscheiden, künftig auch ausländische Unterstützer mit sogenannten Sekundärsanktionen zu treffen. Die US-Regierung hat diese Möglichkeit öffentlich in Aussicht gestellt, aber am 24. August keine konkreten chinesischen Akteure benannt.
KontextWas wäre an neuen US-Sanktionen gegen chinesische Akteure eine weitere Eskalation?
Die USA haben chinesische Beteiligte an Irans Ölhandel bereits früher ins Visier genommen. Im September 2019 sanktionierten sie Reedereien und verbundene Unternehmen wegen des Transports iranischen Öls. Im April 2025 trafen US-Maßnahmen zudem eine in China ansässige unabhängige Raffinerie sowie weitere beteiligte Firmen und Schiffe. Die bisher dokumentierten Schritte zeigen damit eine Ausweitung vom Transport über Raffinerien bis hin zu möglichen Finanzinstituten. Genau darin läge die nächste Eskalationsstufe: Sanktionen gegen chinesische Banken oder große Staatsunternehmen könnten den Handel stärker berühren als frühere Maßnahmen gegen spezialisierte Firmen. Beschlossen sind solche Sanktionen bislang nicht.
Für Iran steht dabei ein besonders wichtiger Absatzmarkt auf dem Spiel. Vor dem Krieg importierte China nach einer Schätzung der Washington Post rund 1,4 Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag. Für 2025 wird ebenfalls eine Größenordnung von etwa 1,4 Millionen Barrel täglich genannt – Schätzungen, keine präzise offizielle Zollstatistik. Die Zahlen beziehen sich auf iranische Exporte nach China, nicht auf den Anteil iranischen Öls an Chinas gesamten Rohölimporten.
Der Handel läuft häufig außerhalb regulärer Kanäle. Raffineriequellen und Händler berichteten dem Guardian zufolge, iranisches Öl werde als malaysisches oder indonesisches Öl deklariert und über verschachtelte Zwischenhändler in chinesischer Währung abgerechnet. Laut Washington Post wurden vor dem Krieg zudem Hunderte Tanker außerhalb regulärer legaler Kanäle eingesetzt, um das Öl nach China zu bringen.
Eine laut Guardian Mitte Juli erneuerte US-Maßnahme gegen iranische Häfen hat den Ölfluss nach China bereits deutlich beeinträchtigt. Von einem vollständigen Exportstopp ist damit jedoch nicht die Rede.
China wies die US-Druckkampagne zurück. Die Regierung erklärte, sie werde ihre Interessen schützen und notwendige Maßnahmen ergreifen, falls chinesische Interessen durch US-Sanktionen beeinträchtigt würden. Konkrete chinesische Gegenmaßnahmen sind bislang nicht bekannt.
Damit steht Washington vor einem strategischen Dilemma. Weitreichende Sanktionen gegen chinesische Unternehmen oder Finanzinstitute könnten den Druck auf Iran erhöhen, zugleich aber einen neuen Konflikt mit Peking auslösen. Analysten der Rapidan Energy Group schrieben laut Semafor, nur Maßnahmen, die den Handel zwischen Iran und China substanziell unterbrächen, würden Irans wirtschaftlichen Kipppunkt beschleunigt herbeiführen.
Iran ist stark von Öleinnahmen abhängig; China gilt als zentrale wirtschaftliche Lebensader des Landes. Ob Washington bereit ist, für eine härtere Durchsetzung seiner Iran-Politik die Beziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zusätzlich zu belasten, bleibt deshalb die entscheidende offene Frage.
Quellen & Beleglage
7 QuellenEineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.
Verwendet für: Kernbericht zu Chinas Rolle, Verschleierung der Lieferungen und der möglichen US-Konfrontation mit Peking.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Belegt Sanktionen gegen knapp 60 Iran-nahe Akteure und Bessents Aussage zur Reichweite US-amerikanischer Sanktionen.
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Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Liefert Analysteneinschätzung zu den Bedingungen, unter denen Iran wirtschaftlich stärker getroffen würde.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Liefert strukturierenden Hintergrund zur Abhängigkeit Irans von Öleinnahmen und zur Bedeutung Chinas.
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