Das West-Nil-Virus wird in Europa in dieser Mückensaison in mehr Regionen nachgewiesen. Bis zum 13. August meldeten neun Länder zusammen 429 lokal erworbene Infektionen, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mitteilte. Die Zahlen beziehen sich auf die laufende Saison und können durch Nachmeldungen noch steigen.

Am stärksten betroffen waren zu diesem Stichtag Italien mit 224 und Griechenland mit 105 Fällen. Danach folgten Spanien mit 42, Nordmazedonien mit 30 und Rumänien mit 18 Fällen. Weitere Infektionen wurden aus Frankreich, Serbien, Deutschland und Kosovo gemeldet. Das ECDC zählte 77 betroffene Gebiete; 19 davon waren in der betreffenden Woche erstmals als betroffen erfasst worden. Sechs Regionen in Europa meldeten in diesem Jahr erstmals lokale Übertragungen.

Die griechische Gesundheitsbehörde EODY registrierte danach einen weiteren Anstieg: Nach Angaben vom 19. August waren in Griechenland seit Jahresbeginn 157 Erkrankungen und 13 Todesfälle nach einer West-Nil-Infektion gemeldet. Die unterschiedlichen europäischen und nationalen Zahlen haben verschiedene Stichtage. Sie sind daher kein Widerspruch, sondern zeigen, wie schnell sich das Lagebild während der Saison ändern kann.

In Deutschland weist das ECDC bislang einen lokal erworbenen menschlichen Fall für 2026 aus. Nach Angaben des Landesuntersuchungsamts Rheinland-Pfalz handelt es sich um einen 58-jährigen Blutspender aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, der sich vor der Diagnose nicht außerhalb des Bundeslands aufgehalten hatte. Das wäre der erste bekannte lokal erworbene Fall in Rheinland-Pfalz. Das West-Nil-Virus zirkuliert hierzulande allerdings nicht erst seit diesem Sommer: Das Robert Koch-Institut berichtet seit Jahren über saisonale Übertragungen durch heimische Culex-Mücken, vor allem im Osten Deutschlands.

KontextWie hat sich die saisonale West-Nil-Virus-Zirkulation in Deutschland seit ihrem ersten Nachweis entwickelt?

2018 wurde West-Nil-Virus erstmals bei Vögeln und Pferden in Deutschland nachgewiesen, überwiegend im Osten. Im Spätsommer 2019 folgten die ersten durch Mücken übertragenen menschlichen Infektionen. Seither werden dort saisonal weitere Fälle registriert, deren Zahl von Jahr zu Jahr schwankt. Das RKI wertet das wiederholte Auftreten über mehrere Jahre als Hinweis darauf, dass das Virus in Deutschland überwintert und sich regional etabliert hat. Tiernachweise wurden 2024 vereinzelt bereits in fast allen Bundesländern gemeldet.

Quellen (3)

Für die große Mehrheit der Infizierten bleibt die Erkrankung unbemerkt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation entwickeln etwa 70 bis 80 Prozent keine Symptome. Ein kleiner Teil erkrankt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Hautausschlag. Selten kann das Virus das zentrale Nervensystem angreifen und etwa eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung auslösen; ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe.

Eine spezifische antivirale Behandlung und eine zugelassene Impfung für Menschen gibt es nicht. Behörden raten deshalb vor allem zum Schutz vor Mückenstichen: Repellents nach Herstellerangaben anwenden, möglichst körperbedeckende Kleidung tragen und stehendes Wasser an Haus, Balkon oder Garten vermeiden. Wer nach einem Aufenthalt in einer betroffenen Region hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteife oder neurologische Beschwerden entwickelt, sollte ärztliche Hilfe suchen. Das ECDC erwartet weitere Meldungen, weil die Übertragung in Europa typischerweise im August und frühen September ihren Höhepunkt erreicht.

Quellen & Beleglage

7 Quellen

EineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.

PrimärquelleEuropean Centre for Disease Prevention and Control

Verwendet für: Wöchentliche europäische Surveillance mit Fallzahlen, Ländern und betroffenen Regionen zum Stichtag 13. August 2026.

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Verwendet für: Einordnung der saisonalen Entwicklung, neuer betroffener Regionen und erwarteter weiterer Fälle.

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PrimärquelleNationale Organisation für öffentliche Gesundheit Griechenlands

Verwendet für: Offizielle griechische Übersicht mit Verweis auf den aktuellen Wochenbericht vom 19. August 2026.

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Eigenständige BerichterstattungARD-aktuell

Verwendet für: Berichtet die am 20. August veröffentlichten EODY-Zahlen für Griechenland und ordnet die Entwicklung journalistisch ein.

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PrimärquelleLandesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz

Verwendet für: Dokumentiert den ersten bekannt gewordenen lokal erworbenen West-Nil-Fall in Rheinland-Pfalz.

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PrimärquelleRobert Koch-Institut

Verwendet für: Einordnung der West-Nil-Virus-Zirkulation in Deutschland und der gemeldeten lokal erworbenen Fälle des Vorjahres.

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PrimärquelleWeltgesundheitsorganisation – Regionalbüro für Europa

Verwendet für: Medizinische Einordnung zu Übertragungsweg, Symptomen, Risiken und Schutzmaßnahmen.

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