Volkswagen-Chef Oliver Blume stimmt die Belegschaft auf einen tiefgreifenden Umbau und einen verschärften Sparkurs ein. Vor den ab dem 25. August geplanten Betriebsversammlungen rief er zum Zusammenhalt auf: „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen“, sagte Blume in einem Interview mit der Bild am Sonntag, über das unter anderem das ZDF berichtete.

Bereits in einem am 21. August veröffentlichten internen Interview hatte Blume die Lage bei Volkswagen als „mehr als kritisch“ bezeichnet. Zugleich sagte der Konzernchef, Volkswagen sei handlungsfähig, habe aber akuten Handlungsbedarf. Die Einschätzung stammt von Blume und ist keine unabhängige Messgröße für die wirtschaftliche Lage des Konzerns.

Als zentrale Probleme nennt Blume die zu geringe operative Rendite, zu hohe Kosten und eine aus seiner Sicht überdimensionierte, langsame und komplizierte Konzernstruktur. Die operative Rendite von 3,8 Prozent sei zwar solide, reiche aber bei weitem nicht aus, um dauerhaft genügend Mittel für neue Technologien, neue Produkte und die Standorte zu erwirtschaften. Auch bisherige Einsparungen genügten nach seiner Darstellung nicht. Die Kosten in deutschen Autofabriken seien im vergangenen Jahr im Durchschnitt um etwa 20 Prozent gesenkt worden, erklärte Blume beziehungsweise die Volkswagen-Kommunikation.

Volkswagen will laut Blume den größten Transformationsplan der Unternehmensgeschichte umsetzen und den Konzern bis 2030 neu aufstellen. Die konkrete Ausgestaltung und endgültige Verabschiedung des Zielbilds sind noch nicht vollständig öffentlich. Blume beschreibt den Konzern zudem als zu groß, zu langsam und zu kompliziert aufgestellt. Als weiterer wirtschaftlicher Hintergrund werden das schwächere VW-Geschäft in China, steigende Produktionskosten und der schwierige Wandel der deutschen Autoindustrie zu klimafreundlicheren Antrieben genannt.

Besonders im Blick stehen die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Für die 2030er-Jahre gebe es dort derzeit keine wettbewerbsfähige Belegung, sagte Blume. Konkrete Werksschließungen seien nach seiner Aussage jedoch noch nicht beschlossen. Eine fehlende Nachfolgebelegung bedeute nicht automatisch die Schließung eines Werks.

Auch die häufig genannte Zahl von bis zu 50.000 gefährdeten Arbeitsplätzen ist nach Blumes Darstellung keine feste Zielgröße. Sie errechne sich aus dem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und solle vor allem den Handlungsbedarf verdeutlichen. Einen konkreten Abbau dieser Zahl hat Volkswagen damit nicht angekündigt.

KontextWas war bei Volkswagen schon vor dem aktuellen Sparkurs beschlossen?

Der jetzige Umbau knüpft an die Vereinbarung „Zukunft Volkswagen“ vom Dezember 2024 an. Volkswagen, IG Metall und der Betriebsrat vereinbarten damals eine Neuausrichtung der deutschen Produktionskapazitäten sowie eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Vorgesehen war außerdem ein sozialverträglicher Abbau von mehr als 35.000 Beschäftigten an deutschen Standorten bis 2030; die technischen Produktionskapazitäten sollten um 734.000 Fahrzeuge sinken. Diese Zielgrößen stammen aus Volkswagen-Angaben und waren nicht automatisch bereits vollständig umgesetzt. Die heute genannte Zahl von bis zu 50.000 Stellen ist deshalb nicht einfach mit einem neu beschlossenen Abbau gleichzusetzen.

Quellen (2)

Bis Ende August sind neun Betriebsversammlungen an deutschen VW-Standorten geplant. Den Auftakt soll am 25. August Wolfsburg machen. Weitere Versammlungen sind unter anderem in Emden, Zwickau, Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal vorgesehen. Die Termine können sich ändern. Welche konkreten Entscheidungen zu Standorten oder Beschäftigung daraus folgen, ist noch nicht bekannt.

KontextWas passiert bei den angekündigten Betriebsversammlungen?

Betriebsversammlungen sind vor allem ein gesetzlich geregeltes Forum für Information und Aussprache. Der Betriebsrat berichtet dort regelmäßig über seine Arbeit; der Arbeitgeber muss mindestens einmal jährlich über Personal- und Sozialfragen sowie über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung des Betriebs informieren, soweit keine Geschäftsgeheimnisse gefährdet werden. Auch Fragen, die den Betrieb oder die Beschäftigten unmittelbar betreffen, können behandelt werden. Die Versammlungen können damit den Konflikt und den Entscheidungsdruck sichtbar machen. Aus ihrer gesetzlichen Funktion folgt aber nicht automatisch, dass dort eine Werksschließung beschlossen wird.

Quellen (2)

Quellen & Beleglage

6 Quellen

EineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.

PrimärquelleVolkswagen Group

Verwendet für: Primärquelle für Blumes Aussagen zu Lage, Rendite, Kosten, Transformation und Handlungsbedarf.

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Eigenständige BerichterstattungZDFheute

Verwendet für: Jüngster gefundener Bericht zum Stand vom 23. August: Appell an die Belegschaft, Transformationsplan und bevorstehende Betriebsversammlungen.

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Eigenständige BerichterstattungDeutschlandfunk

Verwendet für: Unabhängige Bestätigung der Kernaussagen, des Stellenrisikos und des Branchenkontexts.

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Ergänzende BerichterstattungDIE ZEIT

Verwendet für: Detaillierte dpa-Fassung zu möglichen Werken, Stellenzahl, Terminen und fehlenden Schließungsbeschlüssen.

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Ergänzende Berichterstattungn-tv

Verwendet für: Zusätzliche unabhängige Wiedergabe der Managementdiagnose und des Sparkurses.

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Ergänzende BerichterstattungORF, weiterverbreitet bei Head Topics

Verwendet für: Bestätigt den Seed-Kern des Appells an die Belegschaft; wegen Syndizierung nicht als unabhängige zusätzliche Evidenz gewertet.

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NOCH OFFEN

Was wir weiter beobachten

Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:

  • Führen die Betriebsversammlungen zu konkreten Entscheidungen über Standorte oder Beschäftigung?
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