Volkswagen-Chef Oliver Blume hat den Druck für einen umfassenderen Umbau des Konzerns erhöht. In einem im VW-Intranet veröffentlichten Interview bezeichnete er die Lage als „mehr als kritisch“. Die bisher erzielten Einsparungen reichten nicht aus, um langfristig genug Geld für neue Technologien, Produkte und Standorte zu erwirtschaften.

Blume verwies auf eine operative Rendite von 3,8 Prozent im ersten Halbjahr. Sie sei unter den derzeit schwierigen Bedingungen zwar solide, genüge aber nicht für die langfristigen Investitionen des Konzerns. Volkswagen müsse nach seiner Darstellung Kosten weiter senken und seine Strukturen vereinfachen; der Konzern sei zu groß, zu langsam und zu komplex.

Die Aussagen kommen unmittelbar vor einer Reihe zusätzlicher Betriebsversammlungen. Vom 25. bis 31. August soll sich die Konzernspitze an neun größeren deutschen Standorten den Fragen der Beschäftigten stellen. Blume ist nach bisherigen Angaben bei den Versammlungen in Wolfsburg, Emden und Zwickau vorgesehen. Im Mittelpunkt stehen die Pläne für das von Blume angekündigte „Zielbild 2030“.

Der Konzern hatte seine Jahresprognose Ende Juli bereits gesenkt. Im ersten Halbjahr blieben die Umsätze mit 158,1 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau, während die Fahrzeugauslieferungen um 8,4 Prozent auf vier Millionen sanken. Besonders deutlich war der Rückgang in China. Volkswagen nennt außerdem Handelskonflikte, geopolitische Risiken, steigenden Wettbewerbsdruck sowie volatile Rohstoff-, Energie- und Wechselkurse als Belastungen.

Für die Beschäftigten geht es vor allem um die Frage, welche Folgen der nächste Umbau konkret haben wird. Im Juli hatte Blume intern eine rechnerische Größenordnung von rund 50.000 weiteren Stellen weltweit genannt, falls sich die Arbeitskosten nicht veränderten. Diese Zahl ist nach seiner Darstellung keine beschlossene Abbauvorgabe. Sie käme zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen hinzu, die bis 2030 im Konzern wegfallen sollen; für Volkswagen AG sind davon 35.000 vorgesehen.

Auch bei den Werken gibt es bisher keine förmlichen Schließungsentscheidung. Blume hatte für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm erklärt, für die 2030er-Jahre noch keine wettbewerbsfähige Auslastung bestätigen zu können. Eine fehlende Folgebelegung sei jedoch nicht automatisch eine Werksschließung. Der Betriebsrat verlangt vor den Versammlungen belastbare Perspektiven für Beschäftigung und Produktion statt weiterer Ankündigungen.

KontextWelche Rolle spielen Auslastung und Folgebelegung in der Werksplanung bei Volkswagen?

Die Folgebelegung legt fest, welche Modelle ein Werk nach dem Auslaufen bestehender Baureihen produzieren soll. Damit bestimmt sie wesentlich die geplante Auslastung. In der Vereinbarung „Zukunft Volkswagen“ von 2024 wurden Produktzuweisungen, Kapazitätsabbau und Produktionsstrukturen gemeinsam geplant: Deutschlandweit soll die technische Kapazität um rund 734.000 Fahrzeuge sinken. Für Wolfsburg wurden etwa neue Modelle zugewiesen und die Fertigung von vier auf zwei Montagelinien konzentriert. Fehlt eine bestätigte Folgebelegung, ist die künftige Produktionsmenge daher offen. Daraus folgt jedoch nicht zwingend eine Schließung: Die Vereinbarung zeigt, dass Kapazitäten auch durch Verlagerungen, neue Modellzuweisungen oder weniger Fertigungslinien angepasst werden können.

Quellen (1)

Damit ist Blumes neue Warnung vor allem eine Zuspitzung der Verhandlungen über den Konzernumbau. Ob daraus zusätzliche Einschnitte bei Personal, Kapazitäten oder einzelnen Standorten folgen, soll mit dem Maßnahmenpaket geklärt werden, das der Vorstand noch 2026 verabschieden will.

Quellen & Beleglage

5 Quellen

EineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.

PrimärquelleVolkswagen Group

Verwendet für: Halbjahreszahlen 2026, gesenkte Prognose und vom Konzern benannte wirtschaftliche Belastungen.

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Verwendet für: Offizieller Stand des Zukunftsplans, der vereinbarten Stellenreduzierungen und der strategischen Ziele bis 2030.

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Eigenständige BerichterstattungReuters

Verwendet für: Unabhängige Prüfung von Blumes aktuellem internen Memo und seiner Begründung für weitere Kostensenkungen.

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Eigenständige BerichterstattungDeutsche Presse-Agentur

Verwendet für: Bestätigung der aktuellen Blume-Aussagen, des Zeitplans der Betriebsversammlungen und des noch offenen Maßnahmenpakets.

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Eigenständige BerichterstattungNorddeutscher Rundfunk

Verwendet für: Einordnung der geplanten Betriebsversammlungen und der Forderungen des Betriebsrats nach Klarheit für die Beschäftigten.

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NOCH OFFEN

Was wir weiter beobachten

Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:

  • Welche konkreten Personal-, Kapazitäts- und Standortmaßnahmen enthält das angekündigte Zielbild 2030?
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