Die USA haben zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf kanadische Produkte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar in Kraft gesetzt. Die Maßnahme trat nach einer dreitägigen Verschiebung in Kraft, während beide Seiten noch über eine Vereinbarung verhandelten.
Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte, Kanada werde die US-Zölle dollar for dollar beantworten. Eine detaillierte Liste der betroffenen US-Produkte und ein Termin für die kanadische Umsetzung wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Die Verhandlungen hatten die Zölle nicht abwenden können. Ottawa hatte am 18. August noch von substanziellen Fortschritten gesprochen; die USA hatten die Frist damals bis zum Ende des 21. August verlängert.
Washington begründet die Maßnahme mit nach eigener Darstellung diskriminierenden kanadischen Handelspraktiken gegenüber US-Exporten. Die US-Handelsvertretung nennt dabei insbesondere die Bereiche Fahrzeuge, alkoholische Getränke und Milchprodukte. Kanada hat diese US-Begründung nicht übernommen.
KontextWelche kanadischen Handelsregelungen in den Bereichen Fahrzeuge, alkoholische Getränke und Milchprodukte beanstandet die US-Regierung?
Die US-Regierung verweist auf drei unterschiedliche Regelungsbereiche. Bei Fahrzeugen beanstandet sie Kanadas 2025 eingeführte Zölle auf bestimmte US-Fahrzeuge sowie mengenbegrenzte zollfreie Einfuhrkontingente für Hersteller. Bei Alkohol geht es nach US-Darstellung um Entscheidungen der Provinzen und Territorien, den Einkauf, Vertrieb oder Verkauf von US-Alkohol zeitweise auszusetzen; diese Ebenen regulieren den Alkoholhandel weitgehend selbst. Im Milchbereich kritisiert Washington die Vergabe zollfreier Einfuhrkontingente für Käse: Für das USMCA-Kontingent sind Einzelhändler nach Darstellung der US-Regierung nicht zugelassen, beim entsprechenden EU-Kontingent unter CETA dagegen schon. Das sind die von Washington vorgebrachten Gründe; Kanada hat sie nicht als gemeinsame Begründung übernommen.
Die Zölle betreffen nicht den gesamten Warenverkehr zwischen beiden Ländern, sondern eine Auswahl kanadischer Produkte. Offen bleibt, ob und wann die Regierungen neue Gespräche ansetzen und wie weit Kanada seine angekündigte Gegenmaßnahme fasst.
Quellen & Beleglage
4 QuellenEineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.
Verwendet für: Präsidialanordnung zu Rechtsgrundlage, Höhe, Produktbezug und ursprünglich vorgesehenem Inkrafttreten der zusätzlichen US-Zölle.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: US-Handelsvertretung zu den von Washington angeführten Gründen und dem Umfang der im Juli angekündigten Zölle.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Bestätigt das Inkrafttreten der 50-Prozent-Zölle auf Waren im Wert von 20 Milliarden US-Dollar, das Scheitern der Last-Minute-Gespräche und Carneys Ankündigung einer gleichwertigen kanadischen Reaktion.
Quelle via Websuche öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Belegt die kanadische Darstellung vom 18. August über den Stand der Gespräche und die Verschiebung der US-Maßnahme bis zum Ende des 21. August.
Quelle via Websuche öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Was wir weiter beobachten
Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:
- Welche US-Waren Kanada mit Gegenzöllen belegen wird und wann diese gelten sollen.
- Ob und wann Kanada und die USA formelle Handelsgespräche wieder aufnehmen.
