Typ-2-Diabetes ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiterhin selten. Nach einer aktualisierten Auswertung der Nationalen Diabetes-Surveillance am Robert Koch-Institut erkrankten zwischen 2014 und 2022 jährlich durchschnittlich rund 230 Menschen im Alter von 11 bis 17 Jahren neu.

KontextWie unterscheidet sich Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen von Typ-1-Diabetes?

Bei Typ-1-Diabetes zerstört eine Autoimmunreaktion die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse; dadurch entsteht ein ausgeprägter Insulinmangel. Typ-2-Diabetes beginnt meist mit einer verminderten Wirkung von Insulin in den Körpergeweben und einer nachlassenden Insulinproduktion. Die Einteilung ist bei Jugendlichen aber nicht immer eindeutig: Auch bei Typ-1-Diabetes können Übergewicht und Insulinresistenz vorkommen. Deshalb empfehlen Leitlinien bei Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas und erhöhten Blutzuckerwerten, bei Verdacht auf Typ 2 auch Inselautoantikörper zu bestimmen.

Quellen (3)

Die geschätzte Neuerkrankungsrate stieg in diesem Zeitraum im Durchschnitt um 6,7 Prozent pro Jahr. Besonders ausgeprägt war die Entwicklung bei Jungen: Dort lag der jährliche Anstieg bei 12 Prozent. Bei Mädchen war der errechnete Anstieg dagegen statistisch nicht eindeutig.

KontextWelche Besonderheiten hat Typ-2-Diabetes, wenn er bereits im Kindes- oder Jugendalter beginnt?

Typ-2-Diabetes mit Beginn im Jugendalter unterscheidet sich in mehreren Punkten von der Erkrankung bei Erwachsenen. Fachleitlinien beschreiben bei jungen Betroffenen eine stärkere Insulinresistenz und einen schnelleren Verlust der Funktion insulinbildender Zellen. Begleiterkrankungen und Schäden an kleinen Blutgefäßen können zudem bereits früh im Krankheitsverlauf oder schon bei der Diagnose vorliegen. Deshalb sehen Leitlinien Untersuchungen etwa auf Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Nierenschäden und Veränderungen an der Netzhaut bereits ab der Diagnose vor.

Quellen (2)

Die Zahlen sind bundesweite Schätzungen auf Grundlage mehrerer Diabetesregister, nicht eine vollständige Zählung aller Fälle. Insgesamt wurden für die neun betrachteten Jahre 2.102 Neuerkrankungen geschätzt. Das RKI weist zudem darauf hin, dass die Inzidenz im Pandemiejahr 2021 besonders hoch lag.

Eine bereits 2023 veröffentlichte Studie mit Daten des bundesweiten DPV-Registers kam ebenfalls zu einem Aufwärtstrend. Sie untersuchte Kinder und Jugendliche von 6 bis unter 18 Jahren und stellte für 2021 eine höhere Inzidenz fest, als sie aus dem Trend vor der Pandemie erwartet worden war. Aus diesen Beobachtungsdaten lässt sich jedoch keine einzelne Ursache für die Entwicklung ableiten.

Übergewicht und Adipositas gelten als wichtige Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes im Kindes- und Jugendalter. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert zur Prävention unter anderem verbindliche Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung, mehr Bewegung im Alltag von Kindern sowie Einschränkungen für Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel.

Die neuesten bundesweiten RKI-Daten reichen bis 2022. Sie belegen einen längerfristigen Anstieg, erlauben aber noch keine Aussage darüber, wie sich die Neuerkrankungsrate danach entwickelt hat.

Quellen & Beleglage

6 Quellen

EineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.

PrimärquelleAmerican Diabetes Association

Verwendet für: Begutachtete Analyse des DPV-Registers zur Entwicklung pädiatrischen Typ-2-Diabetes in Deutschland bis 2021.

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Eigenständige BerichterstattungMitteldeutscher Rundfunk

Verwendet für: Aktueller Anlass der Berichterstattung und Einordnung einer angekündigten, bislang nur als Abstract vorliegenden Colorado-Analyse.

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PrimärquelleNationale Diabetes-Surveillance am Robert Koch-Institut

Verwendet für: Belegt die bundesweite Schätzung von jährlich etwa 230 Neuerkrankungen, die 2.102 geschätzten Fälle 2014 bis 2022 sowie die jährlichen Trendwerte insgesamt und nach Geschlecht.

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PrimärquelleRobert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring

Verwendet für: Gezielt geprüfter zusätzlicher Datenweg: Analyse von Routinedaten von neun Millionen Versicherten. Sie ist wegen fehlender kind- und jugendspezifischer Ergebnisdarstellung keine tragende Bestätigung des Kernclaims, dokumentiert aber die Recherche nach einer weiteren Datenfamilie.

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PrimärquelleDeutsche Diabetes Gesellschaft

Verwendet für: Belegt die ausdrücklich als Position der Fachgesellschaft dargestellten verhältnispräventiven Forderungen zu Schul- und Kitaverpflegung, Bewegung und Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel.

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Institutioneller KontextArbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Verwendet für: Stützt den medizinischen Kontext zu Typ-2-Diabetes im Kindes- und Jugendalter und der Bedeutung von Übergewicht und Adipositas.

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NOCH OFFEN

Was wir weiter beobachten

Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:

  • Wie sich die bundesweite Inzidenz bei Jugendlichen nach 2022 entwickelt hat.
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