TikTok und sein Mutterkonzern ByteDance haben sich mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich über insgesamt 400 Millionen Dollar geeinigt. Damit soll ein 2024 angestrengtes Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das US-Gesetz zum Schutz der Online-Privatsphäre von Kindern, COPPA, beendet werden.
Nach Angaben des Justizministeriums vom 21. August sollen zunächst 300 Millionen Dollar gezahlt werden. Weitere 100 Millionen Dollar werden demnach fällig, wenn ein Gericht einen früheren Vergleichsbeschluss gegen Musical.ly aufhebt. Musical.ly, der Vorgänger von TikTok, hatte 2019 bereits 5,7 Millionen Dollar gezahlt, um Vorwürfe zu beenden, Daten von Kindern ohne die erforderliche Zustimmung der Eltern erhoben zu haben.
In der Klage von 2024, die das Justizministerium nach einer Untersuchung der Handelsbehörde FTC eingereicht hatte, wurde TikTok und ByteDance vorgeworfen, Kinder unter 13 Jahren hätten Konten auf der regulären Plattform anlegen oder Alterskontrollen umgehen können. Die Behörden warfen den Unternehmen zudem vor, personenbezogene Daten dieser Nutzer ohne Zustimmung der Eltern gesammelt und Anträge auf Löschung von Kinderkonten teils nicht umgesetzt zu haben. Auch im abgesicherten „Kids Mode“ seien Daten erhoben und genutzt worden, hieß es in der Klage.
Diese Punkte bleiben Vorwürfe: Das Justizministerium betont ausdrücklich, dass mit dem Vergleich keine Haftung festgestellt wurde. Eine Stellungnahme von TikTok lag nach Angaben der Nachrichtenagentur AP zunächst nicht vor.
Die Behörde erklärte zugleich, TikTok habe seit Einreichung der Klage Änderungen bei Eigentumsstruktur, Management, internen Compliance-Prozessen und Datenschutzpraktiken vorgenommen. Dazu zählten Maßnahmen für stärkere Schutzvorkehrungen jüngerer Nutzer, Alterskontrollen und Elternaufsicht. Welche Verpflichtungen über die Zahlung hinaus aus dem jetzt verkündeten Vergleich folgen, geht aus der Mitteilung des Ministeriums nicht im Detail hervor.
COPPA verpflichtet in den USA auf Kinder ausgerichtete Online-Dienste, vor der Erhebung personenbezogener Daten von Kindern unter 13 Jahren die Eltern zu informieren und deren überprüfbare Einwilligung einzuholen. Der nun vereinbarte Betrag gehört laut Justizministerium zu den größten Rückforderungen in einem COPPA-Verfahren.
Quellen & Beleglage
4 QuellenEineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.
Verwendet für: Offizielle Mitteilung zum Vergleich, zur gestaffelten Zahlung und zum fehlenden Haftungsfeststellungsurteil.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Dokumentiert die konkreten Vorwürfe der 2024 erhobenen Klage und die Rolle der FTC-Untersuchung.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Belegt den früheren Musical.ly-Vergleich von 2019 und dessen Bezug zu COPPA.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Unabhängige Bestätigung der Einigung und des Verfahrensabschlusses.
Quelle via Boursorama öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Was wir weiter beobachten
Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:
- Wann entscheidet das zuständige Gericht über die Aufhebung des früheren Musical.ly-Vergleichsbeschlusses, von der die zweite Zahlung abhängt?
