Ratko Mladić ist tot. Der frühere Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska starb am 27. August 2026 im Alter von 84 Jahren in Den Haag, während er eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßte. Das meldete zunächst der serbische Staatssender RTS. Anschließend bestätigten nach internationalen Berichten ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen und Mladićs Anwalt den Tod.

Mladić kommandierte die Armee der Republika Srpska im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995. Das Internationale Strafgericht für das ehemalige Jugoslawien verurteilte ihn 2017 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft. Der Schuldspruch wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.

Zu den Taten, für die Mladić verurteilt wurde, gehörte seine Verantwortung für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995. Mladićs Truppen nahmen die damalige UN-Schutzzone ein. Dort wurden rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet.

KontextWie konnte Srebrenica trotz des Status als UN-Schutzzone 1995 fallen?

Srebrenica war zwar durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zur „safe area“ erklärt worden. Das bedeutete jedoch keinen lückenlosen militärischen Schutz. Die UN-Friedenstruppe UNPROFOR sollte Angriffe abschrecken und unter bestimmten Bedingungen auch Gewalt einsetzen, war dafür aber nur unzureichend ausgerüstet und in ihrer Bewegungsfreiheit und Durchsetzungsfähigkeit eingeschränkt. Ein späterer Bericht des UN-Generalsekretärs kam zu dem Schluss, dass Fehleinschätzungen, fehlende Ressourcen und eine unglaubwürdige militärische Abschreckung zum Scheitern der Schutzzonenpolitik beitrugen. Der internationale Schutzstatus allein konnte den Angriff daher nicht verhindern.

4 zusätzliche Kontextquellen

In den letzten Tagen und Wochen vor seinem Tod war über Mladićs Gesundheitszustand berichtet worden. Nach Angaben serbischer Medien und aus seinem Umfeld hatte er mehrere Schlaganfälle erlitten. Seine Familie strebte deshalb eine Behandlung in einem serbischen Militärkrankenhaus beziehungsweise eine Verlegung nach Serbien an. Ein entsprechender Antrag wurde abgelehnt. Die Angaben beschreiben den gesundheitlichen Hintergrund, belegen aber keine abschließende Todesursache.

Mladić war nach dem Ende des Bosnienkriegs zunächst untergetaucht. Von 1996 bis zu seiner Festnahme am 26. Mai 2011 in Serbien war er insgesamt 16 Jahre auf der Flucht.

Sein Tod löste unterschiedliche Reaktionen aus. In Teilen Serbiens und unter bosnischen Serben blieb Mladić eine verehrte oder als Held dargestellte Figur. Opferverbände kritisierten dagegen, dass seine Verbrechen weiterhin geleugnet würden.

Quellen & Beleglage

8 Quellen zur Nachricht

EineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.

PrimärquelleICTY

Verwendet für: Das Urteil des ICTY belegt Mladićs Verurteilung wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie seine Verantwortung für Srebrenica.

Trial Judgement Summary for Ratko Mladić ↗ (öffnet in neuem Tab)

Verwendet für: Die Anklageschrift dokumentiert die dem Verfahren zugrunde liegenden Vorwürfe gegen Mladić.

Ratko Mladić - Amended Indictment ↗ (öffnet in neuem Tab)
Eigenständige BerichterstattungAssociated Press

Verwendet für: Der AP-Bericht belegt den Tod in Haft, ordnet Mladićs Rolle und das Massaker von Srebrenica ein und dokumentiert Reaktionen von Opferverbänden.

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Eigenständige BerichterstattungRTS

Verwendet für: Der Bericht des serbischen Staatssenders dokumentiert die erste Todesmeldung sowie Mladićs militärische Rolle und Angaben zu seinem Gesundheitszustand.

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Ergänzende Berichterstattungn-tv.de

Verwendet für: Der n-tv-Bericht bündelt die Todesmeldung, Angaben zu Haft, Gesundheitszustand, Flucht und Reaktionen.

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Ergänzende Berichterstattungtagesschau.de

Verwendet für: Der tagesschau-Bericht bestätigt den Tod in Haft und fasst die Verurteilung sowie die Angaben zur gesundheitlichen Vorgeschichte zusammen.

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Eigenständige BerichterstattungThe Guardian

Verwendet für: Der Guardian ordnet Tod, Haft, Mladićs Rolle im Bosnienkrieg und die anhaltend gegensätzlichen Reaktionen ein.

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PrimärquelleU.S. Government Publishing Office

Verwendet für: Die zeitgenössische amtliche Erklärung belegt Mladićs Festnahme am 26. Mai 2011 in Serbien.

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