Norwegen will die Öl- und Gasressourcen in der Barentssee unabhängig von der Haltung der Europäischen Union weiterentwickeln. Energieminister Terje Aasland sagte Reuters, sein Land werde bei der Erschließung der arktischen Region seinen eigenen Kurs verfolgen.

Die EU unterstützt laut einer von der Berliner Zeitung zitierten Sprecherin der EU-Kommission weiterhin ein Moratorium für neue Öl-, Gas- und Kohleförderung in der Arktis. Eine direkt zugängliche aktuelle Kommissionsmitteilung dazu lag nicht vor; der Stand ist daher nur über diese Medienzuschreibung belegt.

Norwegen hat im Mai in der jährlichen Lizenzrunde APA beziehungsweise TFO 2026 insgesamt 70 zusätzliche Blöcke in der Nordsee, der Norwegischen See und der Barentssee ausgeschrieben. Unternehmen können sich bis zum 1. September bewerben. Die Regierung strebt an, Anfang 2027 neue Produktionslizenzen zu vergeben.

KontextWarum gilt die Barentssee zugleich als vielversprechend und als wenig erschlossen?

Die Barentssee ist für Norwegen eine vergleichsweise junge Förderregion. Aktivitäten gibt es dort zwar seit 1980, derzeit fördern aber erst drei Felder: Snøhvit, Goliat und Johan Castberg. Johan Castberg nahm seine Produktion erst am 30. März 2025 auf. Gleichzeitig sieht die norwegische Petroleumverwaltung in der Barentssee das größte Öl- und Gaspotenzial des norwegischen Festlandsockels; ungefähr die Hälfte der noch unentdeckten Ressourcen wird dort vermutet. Das ist eine Schätzung, keine exakt vermessene Menge. Weitere Lizenzrunden sind deshalb vor allem auch der Versuch, eine noch offene Ressourcenfront zu erkunden – nicht bloß der Ausbau eines bereits dicht erschlossenen Reviers.

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Die Ausschreibung bedeutet allerdings noch nicht, dass alle Flächen vergeben werden oder dort später tatsächlich gefördert wird. Welche konkreten Projekte in der Barentssee als Nächstes genehmigt werden könnten, ist nicht festgelegt. Die vorliegenden Belege weisen zudem nicht den Abschluss neuer einzelner Bohr- oder Produktionsgenehmigungen für die Region aus.

KontextWelche Bedingungen gelten für Öl- und Gasaktivitäten in der Barentssee?

Nach dem in einem norwegischen Parlamentsdokument von 2024 beschriebenen Rahmen bedeutet eine ausgeschriebene Lizenz nicht automatisch, dass dort gebohrt werden darf. Das Dokument nennt für die Barentssee und angrenzende Gebiete räumliche und saisonale Einschränkungen. Dazu zählen unter anderem ein Ausschluss neuer Aktivitäten in Gebieten, in denen im April an mehr als 15 Prozent der Tage Meereis festgestellt wird, Sonderregeln rund um Bjørnøya sowie zeitweise Verbote bestimmter Erkundungsbohrungen. Der dort beschriebene Managementplan hebt außerdem das hohe Risiko für Seevögel und empfindliche Lebensräume wie Futtergebiete, die Eisrandzone und Küsten hervor. Ob dieser Rahmen seit 2024 geändert wurde, ist hier nicht geprüft.

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Aasland will Norwegens Öl- und Gasförderung bis mindestens 2035 ungefähr auf dem heutigen Niveau halten. Diese Zielsetzung wird in aktuellen Berichten unter Berufung auf den Energieminister wiedergegeben; die tatsächliche Förderung und einzelne Projektentscheidungen können davon abweichen.

Die Regierung begründet ihre Linie mit der Bedeutung Norwegens für die europäische Energieversorgung. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine liefert das Land einen besonders großen Anteil des europäischen Gases. Aktuelle Berichte beziffern Norwegens Anteil an der Gasnachfrage der Europäischen Union und Großbritanniens auf ungefähr 30 Prozent. Die genaue Quote hängt vom betrachteten Zeitraum und von der Abgrenzung der Gasnachfrage ab.

Zugleich grenzt sich Aasland laut Reuters von der Vorstellung ab, Norwegen solle vor allem als Europas „grüne Batterie“ beziehungsweise als Anbieter erneuerbarer Energie auftreten. Das ist eine politische Einordnung des Ministers und keine formale Änderung eines internationalen Abkommens.

Die norwegische Regierung verweist außerdem darauf, dass die Förderung nach 2030 ohne neue Ressourcen deutlich zurückgehen dürfte. Diese Prognose dient als Begründung für weitere Exploration. Wie groß ein zusätzlicher Beitrag künftiger Projekte in der Barentssee zur europäischen Versorgung wäre, ist noch nicht absehbar.

Quellen & Beleglage

7 Quellen

EineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.

Eigenständige BerichterstattungReuters, syndiziert über Investing.com

Verwendet für: Tragender aktueller Nachrichtenstand, Aussagen von Energieminister Terje Aasland, Förderziel bis 2035 und Europas Gasversorgung.

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PrimärquelleNorwegische Regierung, Energieministerium

Verwendet für: Primärquelle zur Ausschreibung von 70 zusätzlichen Blöcken, darunter in der Barentssee, sowie zu Fristen und geplantem Lizenzzeitpunkt.

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Verwendet für: Norwegische Originalfassung der Lizenzrunden-Ankündigung.

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Verwendet für: Offizielle Angaben zur Bedeutung der norwegischen Öl- und Gasförderung für EU und Vereinigtes Königreich.

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Ergänzende BerichterstattungAftenposten

Verwendet für: Norwegische Einordnung und aktueller Bericht zum Konflikt mit der EU.

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Ergänzende BerichterstattungBerliner Zeitung

Verwendet für: Aktueller zugeschriebener Stand zur Haltung der EU-Kommission und zusätzlicher Infrastrukturkontext.

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PrimärquelleNorwegianpetroleum.no

Verwendet für: Hintergrund zur Lizenzpolitik und zur Einbeziehung der Barentssee.

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Was wir weiter beobachten

Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:

  • Welche neuen Produktionslizenzen werden nach der APA/TFO-2026-Runde Anfang 2027 tatsächlich vergeben, insbesondere in der Barentssee?
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