Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih sind nach Angaben regionaler Behörden mindestens 15 Menschen getötet worden. 130 weitere wurden demnach verletzt, darunter 23 Kinder. Die Zahlen stammen vom Freitagabend, dem 21. August, und können sich während der laufenden Rettungsarbeiten noch ändern.
Der Angriff traf einen großen Einkaufskomplex der Stadt am Nachmittag. In dem Gebäude brachen Brände aus. Krywyj Rih liegt in der Oblast Dnipropetrowsk und ist die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
KontextWelche Bedeutung hat Krywyj Rih für die ukrainische Industrie?
Krywyj Rih ist das Zentrum des Krywyj-Rih-Eisenerzbeckens, in dem ein großer Teil der ukrainischen Eisenerzvorkommen liegt. Dort werden sowohl hochwertige Erze als auch eisenhaltige Quarzite gefördert und aufbereitet. Die Region ist deshalb seit Langem ein Kernstandort des ukrainischen Bergbau- und Metallsektors. Nach Angaben der Investitionsagentur der Oblast Dnipropetrowsk stellte dieser Sektor 2025 rund 5,5 Prozent der ukrainischen Wirtschaftsleistung und 15,2 Prozent der Warenexporte; die Oblast bündelte 60 Prozent seines Produktionswerts. Der Krieg belastet die Branche unter anderem durch Schäden an Infrastruktur, Energieengpässe und Logistikprobleme.
Die Angaben zur Opferbilanz machte Oleksandr Hanzha, der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Dnipropetrowsk. Sein Name war zuvor fehlerhaft als „Oleksandr Hansa“ wiedergegeben worden. Hanzha hatte das Amt im Januar übernommen.
Selenskyj erklärte, die Drohnen hätten in zwei Wellen zugeschlagen. Etwa eine halbe Stunde nach dem ersten Treffer und dem dadurch ausgelösten Feuer sei ein weiterer Angriff erfolgt, als Rettungskräfte bereits am Ort waren. Die Bewertung, der zweite Angriff habe gezielt Einsatzkräfte treffen sollen, stammt vom Präsidenten; unabhängig bestätigte Details zur Zielauswahl lagen zunächst nicht vor.
KontextWas ist über Angriffe bekannt, die in kurzem Abstand auf denselben Ort erfolgen, während dort bereits Rettungskräfte im Einsatz sind?
Die UN-Menschenrechtsmission bezeichnet aufeinanderfolgende Angriffe auf denselben Ort in kurzem Abstand als „double-tap“-Angriffe. Sie dokumentierte in der Ukraine Fälle, in denen Einsatzkräfte beim zweiten Angriff getötet oder verletzt wurden. Nach internationalem humanitärem Recht müssen Konfliktparteien bei Angriffen Vorsichtsmaßnahmen treffen, um Schäden für Zivilpersonen möglichst gering zu halten. Die UN-Mission erklärte, ein weiterer Angriff zu einem Zeitpunkt, zu dem Einsatzkräfte vorhersehbar am Ort sind, werfe zumindest Fragen auf, ob diese Vorsichtspflichten beachtet wurden. Falls ein Angriff darauf zielt, Rettungskräfte oder andere Zivilpersonen zu töten oder zu verletzen, könne dies ein Kriegsverbrechen darstellen. Ob dies im konkreten Fall zutrifft, bedarf einer unabhängigen Untersuchung.
Quellen (1)
Russland äußerte sich zunächst nicht unmittelbar zu dem Angriff auf das Einkaufszentrum. Die ukrainischen Behörden machen russische Streitkräfte für die Drohnenattacke verantwortlich.
Unmittelbar fest steht nach den übereinstimmenden Berichten, dass das Einkaufszentrum getroffen wurde und zahlreiche Menschen starben oder verletzt wurden. Für eine abschließende Opferbilanz und die genaue Rekonstruktion des Ablaufs sind weitere Angaben der Behörden und Ermittlungen erforderlich.
Quellen & Beleglage
6 QuellenEineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.
Verwendet für: Aktualisierte Meldung zu Opferzahl, Zahl der verletzten Kinder und Angaben des regionalen Gouverneurs sowie Selenskyjs Darstellung der zwei Angriffswellen.
Quelle via Yahoo öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Unabhängige Bestätigung des Angriffs in Krywyj Rih, der abweichend gemeldeten Opferzahl und weiterer Angriffe in der Ukraine am selben Tag.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Einordnung des Angriffs als Drohnenangriff in zwei Wellen und Bestätigung, dass Kinder unter den Verletzten sind.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Dokumentiert Selenskyjs Aussage, der zweite Angriff sei etwa eine halbe Stunde nach dem ersten erfolgt, als Rettungskräfte vor Ort waren.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Zusätzliche Bestätigung der frühen Angaben zu Angriff, Toten, Verletzten und Selenskyjs öffentlicher Reaktion.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Bestätigt Namen, Amtsbezeichnung und Amtsübernahme von Oleksandr Hanzha als Leiter der Dnipropetrowsker Oblast-Militärverwaltung.
Quelle via Offizielle Website der Regionalverwaltung öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Was wir weiter beobachten
Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:
- Wie entwickelt sich die offizielle Opferbilanz nach Abschluss der Rettungsarbeiten?
- Lassen sich Selenskyjs Angaben zu einem gezielten zweiten Angriff auf Rettungskräfte durch unabhängige Ermittlungen erhärten?
