Die deutschen Gasspeicher sind Mitte August erst ungefähr zur Hälfte gefüllt. Das ist für diese Jahreszeit deutlich weniger als in den Vorjahren und erhöht den Zeitdruck vor der Heizperiode. Einen unmittelbar drohenden Gasmangel oder kalte Wohnungen lässt der Stand allein jedoch nicht erwarten: Die Bundesnetzagentur bewertet die Gasversorgung weiterhin als stabil.
Die Speicher sind vor allem für Tage mit besonders hohem Verbrauch wichtig. Sie ergänzen laufende Importe über Pipelines und Flüssigerdgas-Terminals, wenn der Bedarf im Winter steigt. Nach Daten der europäischen Speicherplattform AGSI, über die auch die Bundesnetzagentur informiert, lag der deutsche Füllstand zuletzt bei rund 50 Prozent. Europaweit waren die Speicher stärker gefüllt.
KontextWarum sind Gasspeicher für die Versorgung im Winter wichtig, obwohl Deutschland weiterhin Gas importiert?
Importe und Verbrauch müssen an jedem Tag ausgeglichen werden, nicht nur über das ganze Jahr. Steigt der Heizbedarf kurzfristig stark, können Speicher Gas zusätzlich ins Netz abgeben; bei einem Überschuss kann Gas umgekehrt eingelagert werden. Die Bundesnetzagentur modelliert Speicher daher als Ausgleich für Unter- und Überdeckungen in der täglichen Gasbilanz. Ihre Rolle ist damit vor allem Flexibilität: Lieferanten kombinieren Speicher mit Pipelinegas, LNG und Handelsgeschäften, um ihre Lieferverpflichtungen auch bei wechselndem Bedarf zu erfüllen.
Für den 1. November schreibt die deutsche Gasspeicherfüllstandsverordnung grundsätzlich für jede Anlage einen Stand von 80 Prozent vor. Sechs langsamere Porenspeicher, darunter Rehden in Niedersachsen, haben eine niedrigere Vorgabe von 45 Prozent. Die Regeln beziehen sich auf einzelne Anlagen; aus den unterschiedlichen Vorgaben ergibt sich kein einheitliches Ziel von 80 Prozent für den gesamten deutschen Speicherbestand.
Die Bundesregierung setzt darauf, dass Händler und Lieferanten nun verstärkt Gas einspeichern. Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass wesentliche Einspeicherungen üblicherweise erst Ende August und im September erfolgen. Als Gründe für die bislang geringe Befüllung nannte eine Ministeriumssprecherin geopolitische Risiken und Preisentwicklungen auf dem LNG-Markt. Wenn Gas für den Winter an den Terminmärkten nicht deutlich teurer ist als im Sommer, ist das Einlagern für Händler wirtschaftlich weniger attraktiv.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hält das Erreichen hoher Füllstände inzwischen für zunehmend schwierig. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Gas noch gekauft wird, sondern auch, mit welcher Geschwindigkeit die einzelnen Speicher technisch befüllt werden können. Besonders bei lang anhaltender Kälte würden Speicher an Bedeutung gewinnen, weil laufende LNG-Lieferungen den Spitzenverbrauch nicht vollständig abdecken können.
Für Haushalte folgt daraus derzeit keine Aufforderung zu außergewöhnlichen Vorsorgemaßnahmen. In einer Gasmangellage zählen private Haushalte und grundlegende soziale Dienste zu den besonders geschützten Kunden. Ob die Heizkosten im Winter steigen, hängt aber auch von der weiteren Entwicklung der Großhandelspreise, den LNG-Lieferungen und der Witterung ab. Niedrige Speicherstände können das Preisrisiko erhöhen, sind aber kein Beleg dafür, dass Versorgungsunterbrechungen bevorstehen.
Bis Anfang November wird sich zeigen, ob die Marktakteure die gesetzlichen Vorgaben erreichen. Die Lage ist damit angespannter als in den vergangenen Sommern, nach der aktuellen Einschätzung der Aufsicht aber noch keine Versorgungskrise.
Quellen & Beleglage
6 QuellenEineNachricht formuliert eigenständig. Die Angaben unten beschreiben, wofür die jeweilige Quelle in dieser Fassung verwendet wurde; die Quellenart ist kein Gütesiegel für sämtliche Aussagen der Quelle.
Verwendet für: Aktuelle Lagebewertung der Gasversorgung und Verweis auf die von AGSI übernommenen Speicherdaten.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Verbindlicher Wortlaut der geltenden Füllstandsvorgaben und Ausnahmen für einzelne Speicheranlagen.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Dokumentiert die Position des Wirtschaftsministeriums zur Verantwortung der Marktakteure und zu erwarteten Einspeicherungen.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Ordnet die Herausforderung beim Erreichen der Vorgaben ein und dokumentiert die Warnung des Branchenverbands BDEW.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Berichtet über den Speicherstand vom 19. August, den europäischen Vergleich und mögliche Folgen für Verbraucher.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Verwendet für: Liefert Datenvergleich zum saisonal ungewöhnlich niedrigen deutschen Füllstand und Kontext zur Speicherkapazität.
Quelle öffnen ↗ (öffnet in neuem Tab)Was wir weiter beobachten
Diese Punkte sind für mögliche Aktualisierungen noch nicht abschließend geklärt:
- Erreichen die einzelnen Speicheranlagen bis zum 1. November die für sie geltenden Füllstandsvorgaben?
